DAAD KUNSTPROJEKT 25/26
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NAH UND DOCH FERN


Ein Kurzfilm über Einsamkeit, Nähe und Verbundenheit im internationalen Studium

Ein Auslandsstudium bedeutet, in eine neue Stadt einzutauchen, eine fremde Umgebung kennenzulernen und die Chance zu bekommen, Menschen aus unterschiedlichen Kulturen zu begegnen. Doch obwohl das Leben in einer Großstadt wie London von Bewegung, Begegnungen und unzähligen Möglichkeiten geprägt ist, kann sich dahinter eine ganz andere Realität verbergen: das Gefühl, einsam zu sein, obwohl man niemals wirklich allein ist.

„NAH UND DOCH FERN“ beschäftigt sich mit diesem Widerspruch. Der Kurzfilm richtet den Blick auf Menschen im urbanen Alltag – an Bahnhöfen, in U-Bahn-Stationen, auf Straßen und in Parks. Menschen bewegen sich dicht aneinander vorbei, teilen denselben Raum und doch häufig nicht denselben Moment. Manche sitzen allein auf einer Parkbank, andere verschwinden in der Menschenmenge. Ihre Wege kreuzen sich, ohne dass daraus zwangsläufig eine Begegnung entsteht.

Gerade internationale Studierende, die für einen begrenzten Zeitraum nach England kommen, erleben diesen Zwiespalt. Sie verlassen ihr vertrautes soziales Umfeld und stehen vor der Möglichkeit, neue Freundschaften aufzubauen und eine neue Stadt zu ihrem Zuhause zu machen. Gleichzeitig können Sprachbarrieren, unbekannte soziale Strukturen und die Distanz zu Familie und Freunden das Gefühl der Isolation verstärken. Die Erfahrungen der COVID-19-Pandemie haben zudem gesellschaftliche Debatten über soziale Distanz und digitale Kommunikation geprägt. Obwohl wir heute über zahlreiche Möglichkeiten verfügen, miteinander in Kontakt zu bleiben, führt Erreichbarkeit nicht automatisch zu emotionaler Nähe.

Der Film nähert sich dieser Thematik durch alltägliche Beobachtungen statt durch direkte Erklärungen. Bilder von Menschen in Bewegung wechseln sich mit stillen Momenten ab. Schatten auf dem Gehweg, Rückenansichten auf einer Bank und Szenen aus der Londoner U-Bahn werden zu visuellen Metaphern für Begegnung, Distanz und die unsichtbaren Geschichten hinter fremden Gesichtern.

Das Projekt versteht Einsamkeit dabei nicht ausschließlich als individuelles Problem, sondern als eine Erfahrung, die viele Menschen in einer vernetzten und mobilen Gesellschaft teilen können. Es fragt danach, wie aus räumlicher Nähe tatsächliche Verbundenheit entstehen kann – und welche kleinen Schritte helfen, die Distanz zwischen Menschen zu überwinden.

Als ergänzender Ansatz wird eine digitale Kommunikationsmöglichkeit in Form eines E-Mail-Servers geschaffen. Sie eröffnet einen Raum, in dem Menschen Gedanken, Erlebnisse und persönliche Erfahrungen austauschen können. Die Kommunikation soll eine niedrigschwellige Möglichkeit bieten, sich mitzuteilen, andere Perspektiven kennenzulernen und Verbindungen entstehen zu lassen, ohne dass eine unmittelbare Begegnung vorausgesetzt wird.

„NAH UND DOCH FERN“ verbindet filmische Beobachtung mit einer Einladung zum Austausch. Das Projekt möchte für die stillen Momente der Einsamkeit sensibilisieren und dazu ermutigen, die Möglichkeiten eines Auslandsaufenthalts nicht nur als akademische, sondern auch als menschliche Erfahrung zu begreifen. Denn manchmal beginnt Nähe nicht damit, dass wir einander begegnen, sondern damit, dass wir den ersten Schritt machen, um uns mitzuteilen.
Earn Pornapha Geisel-Art-Yotha 
DAAD Stipendiatin 2024 - 2026
Studiengang: MArchD , Oxford Brookes University

Zusammenarbeit mit Chaline Bang (arbeitet am E-mail Server)
DAAD Kunstprojekt Betreuerin: Tanita Herrmuth